Gebete und Anrufungen

 

 Öffnen des Heiligen Raumes

 

(nach Art der Inkaschamanen)


An die Winde des Südens -  Große Schlange,
lege Deinen Körper aus Licht um uns.
Lehre uns die Vergangenheit wie eine Haut abzustreifen
und behutsam auf der Erde zu wandeln.
Zeige uns den Weg zur Schönheit.

An die Winde des Westens - Mutter Jaguar,
beschütze den Ort der Heilung.
Lehre uns den Weg des Friedens und des richtigen Lebens
und weise uns den Weg über den Tod hinaus.

An die Winde des Nordens - Kolibri, Großmütter und Großväter
die Ihr uns vorausgegangen seid,
kommt und wärmt Eure Hände an unseren Feuern.
Flüstert zu uns im Wind.
Wir ehren Euch, die Ihr vor uns gekommen seid
und Euch,
die Ihr nach uns kommt als Kinder unserer Kinder.

An die Winde des Ostens - Großer Adler, Kondor,
komm zu uns vom Sonnenaufgang und nimm uns unter Deine Flügel.
Zeige uns die Berge, von denen wir nur zu träumen wagen
und lehre uns, an der Seite des Großen Spirits zu fliegen.

Mutter Erde, wir sind hier versammelt um all Deine Kinder zu heilen.
Die Stein-Menschen, die Pflanzen-Menschen, die Vierbeiner,
die Zweibeiner, die krabbelnden Kriecher.
Die mit Schuppen, die mit Fell und die mit Federn.
Alle, mit denen wir verbunden sind.

Vater Sonne, Großmutter Mond, an die Nation der Sterne.
Großer Spirit, Du hast unzählige Namen
und Du bist der namenlose Eine.
Wir danken Dir, dass Du uns zusammengeführt hast
und uns erlaubst,
das Lied des Lebens zu singen.

 

 (Version nach Alberto Viloldo)

 

Darum geht es mir


Es ist für mich nicht wichtig, womit du dein Geld verdienst   ….       
ich möchte wissen, wonach du innerlich schreist
und ob du zu träumen wagst, der Sehnsucht deines Herzens zu begegnen
Es ist für mich nicht wichtig wie alt du bist   ……      
Ich möchte wissen, ob du es riskierst, wie ein Narr auszusehen
um deiner Liebe willen, um deiner Träume willen und für das Abenteuer des Lebendig seins
Es ist für mich nicht wichtig, welche Planeten im Quadrat zu deinem Mond stehen
Ich möchte wissen, ob du den tiefsten Punkt deines Lebens berührt hast, ob du geöffnet worden bist von all dem Verrat oder ob du zusammengezogen und verschlossen bist aus Angst vor weiterer Qual
Ich möchte wissen, ob du mit dem Schmerz - meinem oder deinem - dasitzen kannst, ohne zu versuchen ihn zu verbergen, zu mindern oder ihn zu beseitigen
Ich möchte wissen, ob du mit der Freude - meiner oder deiner - da sein kannst, ob du mit Wildheit tanzen kannst von den Fingerspitzen bis zu den Zehenspitzen erfüllt mit Begeisterung, ohne uns zur Vorsicht zu ermahnen, zur Vernunft oder die Grenzen des Menschseins zu bedenken
Es ist für mich nicht wichtig, ob die Geschichte, die du erzählst, wahr ist
Ich möchte wissen, ob du jemanden enttäuschen kannst, um dir selber treu zu sein. Ob du den Vorwurf des Verrats ertragen kannst und nicht deine eigene Seele verrätst.
Ich möchte wissen, ob du vertrauensvoll sein kannst und von daher vertrauenswürdig
Ich möchte wissen, ob du die Schönheit sehen kannst, auch wenn es nicht jeden Tag schön ist und ob du dein Leben aus der Kraft des Universums speisen kannst.
Ich möchte wissen, ob du mit dem Scheitern - meinem und deinen - leben kannst und trotzdem am Rande des Sees stehen bleibst und zu dem Silber des Vollmonds rufst - JA!!!
Es ist für mich nicht wichtig zu erfahren, wo du lebst und wieviel Geld du hast
Ich möchte wissen, ob du aufstehen kannst nach einer Nacht der Trauer und Verzweiflung - erschöpft und bis auf die Knochen zerschlagen, und tust was für die Kinder getan werden muss
Es ist für mich nicht wichtig, wer du bist und wie du hergekommen bist
Ich möchte wissen, ob du mit mir in der Mitte des Feuers stehen wirst und nicht zurückschreckst
Es ist für mich nicht wichtig, wo oder was oder mit wem du gelernt hast
Ich möchte wissen, ob du allein sein kannst und in den leeren Momenten wirklich gern mit dir zusammen bist
Ich möchte wissen, was dich von Innen hält, wenn sonst alles wegfällt


Oriah Mountain Dreamer, indianische Heilerin aus Kanada

 

 

 

Indianisches Gebet

 

Ich bin grenzenlose Liebe,
Ich bin strahlendes göttliches Licht,
Ich bin der Fluss ewigen Lebens,
Ich bin göttlicher Glanz, Schönheit und Wahrheit...

 

 

 

 

 

 

 

 

"Möge die göttliche heilende Kraft durch uns fließen,
uns reinigen, stärken und heilen,
uns erfüllen mit heilender Wärme, Liebe und Licht,
uns schützen und führen auf unserem Wege.
Danke dafür, dass dies geschieht."

 

 

 

 

Abendgebet der Sioux-Indianer

 

Gott,
Du bist mein Vater,
Du bist meine Mutter. 
Jetzt werde ich schlafen unter Deinen Füßen, 
unter Deinen Händen, 
Du, Herr der Berge und der Täler,
Du, Herr der Bäume und aller Schlinggewächse. 
Morgen ist wieder ein Tag. 
Morgen ist wieder das Sonnenlicht. 
Ich weiß nicht, was dann sein wird. 
Meine Mutter und mein Vater wissen es auch nicht. 
Nur Du, Gott, siehst mich. 
Du hütest mich auf jedem Weg, 
in jeder Dunkelheit, 
vor jedem Hindernis, 
Du, mein Herr, 
Du, Herr der Berge und der Täler. 
Du weißt, was ich heute gesagt habe, 
ob es gut war oder böse, 
ob es zu wenig war oder zu viel. 
Du aber vergibst mir alle meine Verfehlungen. 
Amen. 

 

 

 

 

 

Gebet der Sioux-Indianer

Oh großer Geist,
dessen Stimme ich in den Winden vernehme und dessen Atem der ganzen Welt Leben spendet, 
höre mich. 
Ich trete vor Dich hin als eines Deiner vielen Kinder.
Ich bin klein und schwach.
Ich bedarf Deiner Kraft und Weisheit. 
Lass mich in Schönheit wandeln und lass meine Augen immer den roten und purpurnen Sonnenaufgang schauen. 

Lass meine Hände die Dinge verehren, die Du gemacht hast, und meine Ohren Deine Stimme hören. 
Schenke mir Weisheit, damit ich die Dinge, die Du mein Volk gelehrt hast,
und die Lehre, die Du in jedem Blatt und in jedem Felsen verborgen hast, erkennen möge.
Nicht um meinen Brüdern überlegen zu sein, suche ich Kraft, 
sondern um meinen größten Feind bekämpfen zu können
- mich selbst. 

Mache mich immer bereit,
mit reinen Händen und geradem Blick zu Dir zu kommen, 
damit mein Geist, wenn dereinst mein Leben verblasst 
wie die untergehende Sonne, 
ohne Scham zu Dir kommen möge. 

  

 

 

Seele, sei weit!

 

  Vor lauter Lauschen und Staunen sei still,

 du mein tieftiefes Leben;

 Dass du weißt, was der Wind von dir will,

 Eh noch die Birken weben.

 

 Und wenn dir einmal das Schweigen

 Sprach,

 Lass deine Sinne besiegen.

 Jedem Hauche gib dich, gib nach,

 Er wird dich lieben und wiegen.

 

 Und dann, meine Seele, sei weit, sei weit,

 Dass dir das Leben gelinge, breite dich wie ein Federkleid

 über die sinnenden Dinge.

  Rainer Maria Rilke